Damals

„Wie möchtest Du Dein Ei?“

„Das ist ein Hoooootel! Ei ist immer hart!“

„Wetten nicht?“

„Wetten doch! Warum diskutieren wir eigentlich immer? Es ist doch in jedem Hotel und mit jedem Frühstück gleich…“

„Nein, ist es nicht. Ich liebe dieses Ritual. Ich esse immer mein Ei weich. Das weißt Du doch. Schau Dir den See an, ist es nicht herrlich? Fünf Hotels später und immer noch die Eierdiskussion… ich liebe Deine Augenbrauen , wenn nur eine sich hoch zieht.“

Sie nimmt die Kamera vom Tisch und legt sie in ihre Tasche. 

„Showtime! Hast Du Deine Sachen schon gepackt? Wo treffen wir uns nächste Woche?“

Er:

„Ich wache jedes Mal auf und wünsche mir nur diese Art von Diskussion… für diesen einen Tag! So, als wäre alles, was wir erleben, nur diese Diskussion über das Ei. Ich bin glücklich…. gerade- hier, mit Dir, mit oder mitohne dem verdammten Ei…“

Ein paar Jahre später, bekam sie an einem Dezembermorgen eine SMS:

„Ich wache manchmal am Morgen auf und denke an die Eier- Diskussion. Ich wünsche mir, dass Du glücklich bist, ich sehe in die Sterne und denke an Dich, gerade hier…“

Es war sein letztes Lebenszeichen. 

Oh Baby….

Er: „Was machst Du so?“
Sie: „Pizzateig…“
Er: „Echt jetzt? Ich sitze seit 8 Stunden im Auto und sehe hier gerade den Schnee.“
Sie: „Oh….hast Du Hunger?“
Er: „Jaaaaa, hast Du Wein? Ich habe da einen Rubin.“
Sie: „Bring ihn mit!“
Sie fetzt durch die Räume, schnell aufräumen, schnell Puder und Augen….Schnelles Make up. Sie hört ihn Schnee schaufeln. Sie sieht nicht hinaus.

Sie hört die Stimme der Freundin : „Er wird keine Ruhe geben, bis er Dich hat.“

Er ist nervös, sie nicht. Seine Hände zittern. Sie weiß noch nicht, was sie davon halten soll, er sieht auf einmal so schmächtig aus. Zarte kleine Hände, Falten um die Augen. Er hat abgenommen.
Vieleicht ist es nicht sein Körper, er ist leiser geworden.
„Hast Du den Nachbarn eine Denkaufgabe gegeben?“
„Nein, ich bin Außen rumm.“
„Du hättest winken sollen….“
„Mache ich später, ich lauf dann durchs Gemüse!“
Sie schüttelt sich vor lachen.
„Ich komme gerade aus dem lauten Berlin, was glaubst Du ist das hier?!“
Sie lächelt.
„Ich weiß.“

Pizza, Smalltalk, eine Flasche Wein. Zweite Flasche Wein.
Er erzählt vom Krieg. Weit weg…

Ihr fehlen die Worte.

Er hat irgendwann Tränen in den Augen. ‚Schmerzfrei‘ ist sein liebstes Wort.

Die Wände fangen an zu verschwinden. Er erzählt so lebhaft, dass sie den Staub sieht. Das Blut riecht, die Geräusche hören kann.
Er wird immer kleiner. Sie kann ihn kaum noch erkennen. Dieser grosse Kerl, mit den beeindruckenden Muskeln. Der Macho, der er schafft mit drei Fotos seines Oberkörpers Unruhe zu stiften.
Dann ist er verschwunden und plötzlich ist da ein anderer Mann.
Leise sanfte Töne, ein Zittern in der Stimme. Erinnerungen, wichtige Dinge, Erzählungen mit Gefühlen.
Er versucht taff zu bleiben.
Er versucht irgendwie die Situation zu retten.
„Es tut mir leid, ich weiß auch nicht“
Sie ist erschrocken, und noch mehr erschüttert.
Sie versteht. Er lässt los.

Die Methamorphose endet in der Dusche. Es ist zwei Uhr in der Nacht.

„Verdammt, ich wollte Dich nicht küssen!“