Stromlos

Seit ich hier wohne haben wir desöfteren Stromausfall. Letzte Woche waren es sechs Stunden am Rosenmontag, weil ein Baum in die Oberleitung gekippt ist und gerade eben ist wieder alles tot. Wahrscheinlich dauert es aber auch wieder länger, denn Sonntags ist hier alles langsamer.

Die ganzen Dörfer im Umkreis sind betroffen.

Unter der Woche ist der Anlaufpunkt für Informationen immer unser Dorfladen. Der hat ein Notstromaggregat und permanent gut gelaunte Verkäuferinnen. Es ist der einzigste deutsche Laden im Umkreis von x Kilometern, der dreizehn Stunden und Sonntags offen hat. Sonntag von 7-11. täglich von 6- 19Uhr, Samstag bis 18 Uhr.

Als ich aus dem tiefsten Eifeldorf kam und hier zum ersten Mal wieder in der Zivilisation nächtigte, könnte ich es kaum fassen, dass dauerhaft Leute auf der Straße zu sehen waren, immer Verkehr und selbst nachts Autos die Hauptstraße entlang fuhren. Es war ein gutes und tröstendes Gefühl, endlich aus der Abgeschiedenheit entkommen zu sein. Ich war ein Stadtmensch. Mindesten ein Kleinstadtmensch… 10000 Einwohner sind genau mein Ding. Da bin ich aufgewachsen, da fühle ich mich wohl. In der Eifel verlor ich als erstes mein Privatleben, als zweites sämtlichen Komfort, den ein Kleinstadtmensch kennt. Sonntags frische Brötchen, Supermärkte mit reichhaltigem Frischeangebot, kaufen in den Mengen, die mir gerade so vorschwebten und nicht nur Notration, also meistens 2 Produkte einer Sorte, weil nicht mehr im Regal steht!

Bei Windeln und Babyprodukten bin ich irgendwann trotz einem guten Angebot in Sprudelstadt, auf Internetkauf umgestiegen. Den schleppen und die 20km bis zur Drogerie mussten ja auch bewältigt werden. Bei Lebensmitteln ist das so eine Sache. „Kaufe was da ist, nicht was Du möchtest“ ist mein Motto geworden. Granatäpfel und verschiedene Produkte die meine Kinder als „Weihnachtsobst und Sondergemüse“ bezeichnen, gibt es auch eben nur dann. Litschi, Spitzkohl, Granatäpfel, Süsskartoffel sind Dinge, die meine Kinder nicht wirklich gut kennen. Hier kauft man Kopfsalat, Kohl, Spiessbraten, Kartoffeln und Fleischwurst. Es ist eben ländlich und sie kennen es nur so. Für mich ist es schwieriger. Meine Verwandten senden öfter kleine Pakete mit frischem Rettich aus der Pfalz, Leberwurst und Saumagen. Das ist dann wie Weihnachten… nur für mich.

Seit ich hier wohne haben wir eine Verbesserung der Lebensqualität um 100%. Die Grenznähe macht es möglich. Sogar ein H&M habe ich das erste Mal nach 8 Jahren wieder von innen gesehen. Boutiquen, Blumengeschäfte, Baumärkte, Sportgeschäfte und sogar Möbelhäuser sind endlich mal keinen Tagestrip mehr entfernt. Gerolstein ist nicht der Nabel der Welt und das Umland ist zwar wunderschön aber gruselig und zurückgeblieben. Mittlerweile ist die Vulkaneifel Vergangenheit und ich bin froh. Es war zu eng, zu familiär, manchmal einfach zu indiskret.

Der Srom ist noch immer weg. Ich hoffe, dass es heute nochmal etwas wird, denn ich hätte gerne einen Kaffee.

Es ist 15.00 Uhr im Moment. Ich bin ja mal gespannt, wann der Beitrag online geht….

3 Gedanken zu “Stromlos

  1. Sprudelstadt, da bin ich mal durchgefahren. Die Gegend ist nett als Tourist, aber dort zu wohnen könnte ich mir schwerlich vorstellen. Geht mir ähnlich mit Bitburg, da ist zwar mal ein Zwischenstopp drin (oder irgendwo zwischen Bitburg und A1), aber auf Dauer weiß ich’s nicht….
    Habt Ihr wieder Strom?

    Gefällt 1 Person

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