Weise

Der Mann, der mich liebt, hat einen großen Kraftakt bewältigt. Wir haben viel miteinander erlebt, viel geschafft, aber das war viel verlangt. Er musste meine Haare abrasieren. Für einen Mann mit Pferdeschwanz eine Tortour.

Nachdem ich innerhalb von einem Tag, büschelweise mein Haar rausziehen könnte, war das die beste Lösung. Ich sehe jetzt aus wie Sinead O’Connor.

Wir waren den Rest vom Tag durcheinander. Sogar die Kinder. Keiner traute sich. Am Ende rettete ich selbst die Situation, indem ich Witze über Glatzen und Perücken machte. Fazit: Perücke ist zwar schön, fast wie vorher, aber Mama juckt es und Witze macht sie bessere mitohne Haare!

Geflogen

… bin ich zwangsläufig. Mit Morphium und Nitroglyzerin im Blut, sicher und geborgen in einem Hubschrauber der Luxemburger Rettungsstaffel. Ich weiß nicht mehr viel, nur, dass es die Ärztin gut roch und der warme Abendwind auf dem Landeplatz mich wieder zum Leben erweckte. Geräusche, Erschütterungen, ich war zwei Tage irgendwo zwischen hier und da. Unten und oben- drinnen und draußen. Hände, die mich halten, streicheln, mir Mut machen. Lachen, Augen, eine Nonne, die meinen BH schloss und mir über die Tränen strich.

Kein Verlangen, weder Durst, noch Hunger.

Schweiß- Hitze, das übliche kleben, der Desinfektionsmittelgeruch.

Das blubbern des Sauerstoffs über meinem Kopf und der dumpfe Schmerz, der mir meine Lebenszeit nimmt.