Nichts geht mehr

Meine Kinder sind am totesten Punkt, aller bisherigen toten Punkte. Keine schulischen Leistungen mehr. Nichts.

Nichts geht mehr. Sie streiken. Sie boykottieren. mich, das Onlineverfahren, dass sowieso nie läuft und die schriftlichen Dinge überhaupt.

Ich bin kein Lehrer und ich arbeite und studiere neben Hausarbeit, kochen, putzen und Wäscheberge waschen. Nebenbei mache ich Online-Verkaufspartys, Schminkvideos und anderen Quatsch und versuche so dass irgendwie Geld ins Haus kommt, denn die Lebenshaltungskosten sind dank Lockdown enorm gestiegen im Haushalt. Ich schlafe nicht mehr, ich falle abends dank einem Glas Rotwein in eine Art traumloses Koma, was dann meistens durch ein erbarmungsloses Klinkgeln des Weckers und mit 5 Tassen Kaffee beendet wird.

Mein Kind braucht für 5 Matheaufgaben, gefühlte 4 Tage. Er schiebt eine erschreckende Art von Leistungsdepression, an die sogar unser Haus und Hofpsychologe nur schwer rankommt. Er fühlt sich verloren, einsam und ständig gemobbt vom Internet, dass ihn einfach seinen Onlineunterricht mehr oder weniger regelmäßig vermasselt. Sohn #2 sitzt erstmal Internetverbot aus, außer dem Unterricht natürlich. er hat sich mit dem klangvollen Namen „Proudarsch“ irgendwelche Königreiche gekauft für ungefähr 29 Euro und führt Kriege gegen die „morgendländliche Bevölkerung“, wie er sie nennt. Internetverbot. Nur noch unter Beaufsichtigung. Bei der Anschaffung irgendwelcher herrschaftlicher Grundstücke, habe ich als Königsmutter ja schließlich mitzureden.

Meine Tochter liest. Sie liest, liest und wenn sie nicht liest, dann malt sie. Leider weder Hausaufgaben noch Arbeitspläne. Aus Verzweiflung, wenn ich ihr dann aus verständlichen Gründen die Bücher abnehme, liest sie dann sogar ihre Englisch Grammatik oder irgendwelche französischen Kinderbücher….ohne ein Wort Französisch zu verstehen… Naja, sagen wir fairerweise, sie bringt es sich gerade bei.

Also ich unterstütze diesen Wissendurst, aber mit solchen Sätzen im Schulheft wie : „Wenn Sie die Lösung meiner Hausaufgaben so brennend interessiert, dann schauen Sie bitte S.43 im Buch nach, da ist es erklärt!“kann dann weder ich, noch der Lehrer etwas anfangen.

Diese Art von leistungsverweigernden Sätzen sagen meine Kinder leider ständig, in abgewandelter Form. Was ein Kind tut und was nicht, über was es sich informiert oder auch nicht, ist im Moment für die Lehrer nicht nachvollziehbar. Es ist überhaupt nicht mehr greifbar. Denn die Informationsquelle ist „riesig und unerschöpflich“, wenn ich Google mit den Worten meiner Tochter beschreibe. Sicher bilden sich meine Kinder mehr als in der Schulzeit. Nur leider mit dem vollkommen „falschen“ Informationen zur Zeit. Dinge, die in der Schule nicht verlangt werden, aber meine Kinder und sogar mich selbst, mehr als interessieren… Aber es ist nicht gewollt, nicht verlangt und wird auch in keinster Weise als Leistung anerkannt.

Das frustriert. Das macht Depressionen.

Leider schon bei so kleinen Kindern, die eigentlich nur ihren Wissendurst und ihre Neugier stillen wollen.

Ich versuche Ihnen alle Möglichkeiten zu geben, außer natürlich, Spiele für 29 Euro zu spielen. … Aber ich bin nur der Puffer, nicht mehr die führende Meinung zwischen ihnen und der Welt. Das Bild das sich da für sie und ihre Zukunft zeichnet ist erschreckend und verdammt entmutigend. Aber auch Das darf ich ihnen nicht sagen. Ich bin am toten Punkt!

(Was Sie über ihre Lehrer sagen, schreibe ich hier nicht, Distanz macht bekanntlich hemmungsloser. Irgendwie verstehe ich sie ja, denn muss schrecklich sein, so vollkommen missverstanden zu werden, online , im Lockdown).